03 / 2013 / IMM COLOGNE

31 Mrz
2013

imm cologne 2013

IMM COLOGNE – TRENDS UND DESIGN 2013

Die derzeitigen Trends im Einrichtungsbereich scheinen widersprüchlich: Einerseits hält die starke Nachfrage nach natürlichen Materialien an, allen voran nach Holz – in Eiche wie in stark gemaserten, dunklen Qualitäten, ergänzt durch helle Hölzer wie Esche oder Birke. Auch Filz und – stärker werdend – Leder stehen hoch im Kurs. Andererseits steht den Menschen der Sinn wieder nach mehr Farbe. Und da heute alles erlaubt ist, ist der dominierende Trend das Kombinieren an sich: Holz wird mit starken Farb-Akzenten in Kontrast gesetzt, unterschiedliche Hölzer kombiniert, Natur-Look mit bunt lackierten Kleinmöbeln aufgefrischt und mit offenkundig künstlichen Elementen und Materialien wie Hightech-Textilien, Plastik-Stühlen und futuristischen Strukturen konfrontiert.

Der Designkulturen-Clash geht sogar quer durch einzelne Möbel, deren Elemente fragmentiert und neu zusammengesetzt erscheinen – Verschraubungen, Verzahnungen, Materialcollagen und individuell wählbare Kombinationen verschiedener Polster-, Textil und Farbqualitäten etwa bei Stühlen sind das ästhetische Merkmal auch und gerade bei hochwertigen Produkten.

Wer es noch origineller mag oder den regelmäßigen Flohmarktbesuch für trendorientierte Streifzüge nutzt, versammelt um den Esstisch gleich eine Reihe völlig unterschiedlicher Stühle, Sessel und Hocker – Hauptsache kein Einheitsbrei. Zusammensetzung ist das Zauberprinzip individueller und individualisierbarer Möbel. All dem unterliegt eine chronische, oberflächlich betrachtet leicht zu übersehende Grundbefindlichkeit, die den Verbraucher derzeit in ein Dilemma stürzt: Einerseits entdeckt er gerade das gute Gefühl, das ihm alte, verlässliche Möbel und neue, qualitativ hochwertige Produkte vermitteln; andererseits spürt er eine wachsende Lust an der Veränderung. Er begehrt Beständigkeit und Qualität, sucht aber gleichzeitig nach Abwechslung. Der Wunsch nach Ausdruck von Individualität und Originalität wird auf die Wohnung und auf die Möbel übertragen.

Wer will sich schon auf Jahrzehnte auf einen Stil festschreiben lassen – das war etwas für die Eltern, aber nicht für uns. Modernes Leben ist bewegt, dynamisch, veränderbar.

Wir wollen unser Leben und unsere Wohnung alle paar Jahre mal umkrempeln. Aber unsere guten Stücke aussortieren? Nein, das wollen wir nicht mehr, das ist weder cool noch politisch korrekt – sind wir der Wegwerfgesellschaft doch allmählich überdrüssig (zumindest in einigen Bereichen) und überzeugt von nachhaltigen Produkten. Wie also soll der Wunsch nach Beständigkeit inmitten der Schnelllebigkeit mit dem Impuls, sich mit oder gegen den Strom zu bewegen, vereinbart werden?

Aus dieser Klemme heraus greift er nach allem, was ihn in seinem Stil-Spagat hilft: individuelle Möbel wie Re-Editionen oder solche mit Gebrauchsspuren – echtes Original oder mit Used-Optik auf Vintage getrimmt – versprechen Geschichte zu schreiben oder zumindest Geschichten zu erzählen; hölzerne Hocker mit Häkelbezug oder stählerne Stühle mit folkloristisch gemustertem Kissen sehen aus wie von der Oma selbstgemacht oder geerbt und lassen sich auch schnell wieder verändern; puristische Esstische aus altem Holz, das Abrissbauten wie etwa alten Scheunen entnommen wurde und den Charme authentischer Geschichte atmet, auf einem filigranen Eisengestell montiert, wirken alt und modern zugleich. Solche Möbel lassen sich immer wieder neu kombinieren, farblich in neuen Kontrast setzen – wie im aktuell angesagten Colour-Blocking – und selbst in ihren Funktionen verändern.

Hochgradig angesagt sind auch Do-it-yourself-Möbel und -Accessoires. Hier wird dem Charakterstück gerne mit Lack und LED, Schablone und Pinsel, Nadel und Faden oder schlicht neuen Knäufen nachgeholfen. Handmade-Portale lassen den Traum vom handgemachten Original von der Garderobenleiste bis zur Kommode wahr werden. Doch es gibt auch Möbel, die Individualisierung und die Möglichkeit zur Veränderung vom Werk aus mitbringen.

Website: www.imm-cologne.de

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