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03 / 2014 / 50 JAHRE ROLF BENZ (Teil 2)

18 Mrz
2014

Rolf Benz Nova © Rolf Benz | Nova

50 JAHRE ROLF BENZ

1964 geht es um Freiheit, es geht um geistigen Aufbruch aus den muffigen 50er-Jahren der Adenauer-Ära. Schluss mit der Enge in vollgestellten Wohnzimmern, Schluss mit Tütenlampen und Nierentischen. 1964 wird das Design deutlich freier, klarer. Biederbrave Kombinationen sind out. Die Dinge, die uns umgeben, sie befreien sich von überflüssigen Schnörkeln und verkitschtem Zierrat. Ein neues Gefühl für Raum, für Weite, für Klarheit setzt sich durch. „I have a dream“, formuliert Martin Luther King schon ein Jahr zuvor dieses Gefühl und meint gesellschaftlich Weite, Freiheit, Grenzenlosigkeit – nicht anders John F. Kennedy, als er

1963 am Brandenburger Tor sagt „Ich bin ein Berliner“. In Zeiten des Wirtschaftswunders und der Vollbeschäftigung lernt die Bundesrepublik das Wort: Freizeit! Es starten das ZDF und auch die Bundesliga. Die Rolling Stones veröffentlichen 1964 ihre erste LP und die Beatles stehen mit fünf Singles auf den Plätzen 1– 5 der US-Hitparade. In geometrisch klaren Formen präsentiert sich die Mode von Courrèges oder Cardin. Den 911er von Porsche sieht man 1964 erstmals auf den Straßen und die „Pagode“, jenen 230 SL von Mercedes ebenso. Ein frischer Wind beginnt zu wehen.

Der Polsterer Rolf Benz erkennt damals genau die Zeichen der Zeit. Gleich das erste Sofa- und Sesselprogramm des jungen Unternehmens folgt dem neuen, freien Raumgefühl: die „Addiform“ von ROLF BENZ. Radikal bricht sie mit der traditionellen, braven Anordnung von Sofa, zwei gegenüberstehenden Sesseln und einem Couchtisch. Die Elemente der „Addiform“ sind flexibel und kombinierfähig in ihrer Anordnung. So entstehen mit diesen Sofas und Sesseln keine typischen Sitzgruppen, sondern erstmals fantasievoll kombinierte „Wohnlandschaften“. Denn tatsächlich: Man kann einen Sessel der „Addiform“ hinzufügen, also „addieren“ oder auch über Eck stellen. Man kann Sessel entweder als Einzelsessel positionieren oder mit Couchtisch als Zwischenelement kombinieren, oder Sessel zu einer Bank verbinden und mit einem Eck-Couchtisch zur Seite abschließen, oder, oder, oder … Das Sofa selbst lässt sich sogar zu einem zusätzlichen, komfortablen Schlafplatz ausklappen. Mit der „Addiform“ ist dem Wohnraum erstmals die Freiheit der Möglichkeiten gegeben und seinem Bewohner die Freiheit um die Ecke zu denken. „Addiform“: einfach, streng, sachlich und dabei schön und praktisch. Wer sie heute betrachtet, der staunt wie modern, wie „zeitlos“ richtig und wie konsequent ROLF BENZ schon damals Zeitgeist und Raumgefühl aufgriff. Der große Erfolg der „Addiform“ – er ist auf dem Gebiet des Wohnens Teil des Wirtschaftswunderlandes Deutschland und legt 1964 den Grundstein für ROLF BENZ. Schon damals gilt für die Produkte des Unternehmens: So flexibel und beweglich wie der Mensch im Kopf ist, so flexibel und beweglich sollen auch die Möbel sein mit denen er lebt. Konsequent heißen bei ROLF BENZ die drei Zauberbuchstaben der folgenden Jahre P, A und S. Sie stehen für Polster-Anreih-Systeme, die zunächst mit der „Benz-Ecke“ und 1969 mit dem Anreihsystem „Variset“ zu den typischen Coachlandschaften ihrer Zeit werden – Letztere selbstverständlich in braunem Cord als Bezug.

Die 70er-Jahre beginnen weich und transparent. Es ist die Zeit der Sitzsäcke, in Stuttgart-Untertürkheim meldet 1971 ein berühmter Namensbruder seine Entwicklung des Airbags als deutsches Patent an und 1971 ist ROLF BENZ erstmals auf der Kölner Möbelmesse mit eigenem Messestand vertreten; 1973 wird das World Trade Center in New York eröffnet und in Deutschland der Geldautomat patentiert. Von den ersten Mondspaziergängen beflügelt, 
erlebt die Welt Jahre der Zukunftsgläubigkeit; Jahre rasanten wirtschaftlichen Wachstums und wirtschaftlichen Erfolgs. Plexiglas ist transparent und deckt nicht nur das Olympia-Zeltdach in München. Avantgardistisch lümmelt die Hippie-Generation in riesigen Wohnlandschaften wie ROLF BENZ sie mit „Scenery“ 1971 bietet. Ein Jahr später eröffnet ein schwedisches Möbelhaus seine erste deutsche Filiale. Doch nach unten und nach billig hat man sich in Nagold nie orientiert! Auf den banalen Gebrauch des Inbusschlüssels antwortet ROLF BENZ mit dem Werbeslogan „Wohnen, wie es am schönsten ist“ und erweitert seine Herstellungskapazitäten um 7.000 Quadratmeter mit dem Erwerb des Polstermöbelwerks in Mötzingen. Natürlich feiert Deutschland auf der Polstergruppe „Livingpool“ den Sieg der deutschen Elf bei der Fußballweltmeisterschaft 1974. Und natürlich widmet sich ROLF BENZ in Zeiten von Schlaghosen und Prielblumen gegen Ende der 70er-Jahre dem Material Rattan und empfiehlt sich in seiner Werbepoesie dem Kunden mit Möbeln „romantisch bis mondän“ und „rustikal bis elegant“.
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 folgt

Website: www.rolf-benz.com

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